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Überaktives Kind

 

Definition Aufmerksamkeitsdefizitststörung (ADS) - Hyperkinetisches Syndrom (HKS)

Bei ADS / HKS handelt es sich um eine Unreife und eine Stoffwechselstörung des Gehirns, bei der vermutlich zu wenig Botenstoffe (= Neurotransmitter) gebildet werden. Aufgrund dieser Stoffwechselstörung entstehen Störungen in Aufmerksamkeit und Konzentration, wodurch Sinneseindrücke und Informationen nicht richtig verarbeitet werden. Aus dem Unvermögen die nötige Aufmerksamkeit und Konzentration aufzubringen, entsteht oft eine Schulleistungsstörung und Verhaltensstörung, woraus sich wiederum Schulversagen, schwieriges Verhalten, kriminelle Entgleisung oder Sucht entwickeln können. Oft brauchen bei hyperaktiven Kindern auch die Eltern Hilfe. Die Konzentrationsstörung wird häufig nicht ernst genommen und ist im ICD 10 (Diagnoseschlüssel) auch nicht extra vermerkt, ist jedoch immer eine Begleiterscheinung des HKS oder ADS. Ebenso wird das ADS immer mit "Nasebohren, Daumenlutschen und Nägelkauen" gleichgestellt, ist aber nicht auf das Kindes- und Jugendalter beschränkt. Der DSM IV (diagnostisches und statistisches Manual psychischer Störungen) weist zumindest darauf hin, dass die Störung auch im Alter weiter besteht, auch wenn er nicht genau erklärt in welcher Form.

Untergruppen im DSM

Es werden im DSM drei Untergruppen unterschieden: 1. Aufmerksamkeitsdefizitstörung / Hyperaktivitätsstörung / Mischtypus: (liegt vor bei mindestens 6 von 9 Symptomen) 2. Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom / Hyperaktivitätsstörung, vorwiegend unaufmerksamer Typus: (mindestens 6 von 9 Symptomen des Aufmerksamdefizitsyndrom, aber weniger als 6 Symptome der Hyperaktivität / Impulsivität für mindestens 6 Monate vorhanden). 3. Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom / Hyperaktivitätsstörung, vorwiegend hyperaktiv-impulsiver Typus: (mindestens 6 Symptome aus Hyperaktivität / Impulsivität, aber weniger als 6 aus unaufmerksamer Typus).

Symptome der Unaufmerksamkeit / Hyperaktivität nach DSM

Unaufmerksamkeit: - Beachtet häufig Einzelheiten nicht oder macht Flüchtigkeitsfehler bei den Schulaufgaben, bei der Arbeit oder anderen Tätigkeiten. - Hat oft Schwierigkeiten, längere Zeit die Aufmerksamkeit bei Aufgaben oder beim Spielen aufrechtzuerhalten. - Scheint häufig nicht zuzuhören, wenn andere ihn/sie ansprechen. - Führt häufig Anweisungen anderer nicht vollständig durch und kann Schularbeiten, andere Arbeiten oder Pflichten am Arbeitsplatz nicht zu Ende bringen. - Hat häufig Schwierigkeiten, Aufgaben und Aktivitäten zu organisieren. - Vermeidet häufig, hat eine Abneigung gegen oder beschäftigt sich häufig nur widerwillig mit Aufgaben, die länger andauernde geistige Anstrengung erfordern. - Verliert häufig Gegenstände, die er/sie für Aufgaben oder Aktivitäten benötigt. - Lässt sich öfter durch äußere Reize leicht ablenken. - Ist bei Alltagstätigkeiten häufig vergesslich. Hyperaktivität - Zappelt häufig mit Händen oder Füßen oder rutscht auf dem Stuhl herum. - Steht in der Klasse oder in anderen Situationen, in denen Sitzenbleiben erwartet wird, häufig auf. - Läuft häufig herum oder klettert exzessiv in Situationen, in denen dies unpassend ist (bei Jugendlichen und Erwachsenen kann dies auf ein subjektives Unruhegefühl beschränkt bleiben). - Hat häufig Schwierigkeiten, ruhig zu spielen oder sich mit Freizeitaktivitäten ruhig zu beschäftigen. - Redet häufig übermäßig viel, impulsiv. - Ist häufig "auf Achse" oder handelt oftmals als wäre er/sie "getrieben". - Platzt häufig mit den Antworten heraus, bevor die Frage zu Ende gestellt ist. - Kann nur schwer warten, bis er an der Reihe ist. - Unterbricht und stört andere häufig (platzt z. B. in Gespräche oder in Spiele anderer hinein).

SEKUNDÄRFOLGEN DES ADS

Lern- und Leistungsstörungen: - Störverhalten, Disziplinprobleme, fehlende Arbeitshaltung - Vermeidungsverhalten bis zum Schuleschwänzen - Rechtschreib- und Leseprobleme - Seltener Probleme beim Rechnen - Schlechtes Schriftbild - Lückenhaftes Verfolgen des Unterrichts - Vergessen von Hausaufgaben - Benötigt sehr viel Zuwendung von Lehrern und Eltern Die Leistungen entsprechen nie der Intelligenz: Teilleistungsstörung: - Perceptionsstörungen (Wahrnehmungsstörungen) - Koordinationsstörungen (Bewegungsstörungen) 1. durch das ADS primär entstanden 2. durch das ADS sekundär verstärkt Schwere sekundäre Verhaltensstörungen: - Störung der sozialen und familiären Interaktion und Integration - Soziale Isolierung (Heimunterbringung) - Alkoholmissbrauch - 80 x höher als bei behandelten ADS-Kindern - - Drogenmissbrauch - 10 x höher als bei behandelten ADS-Kindern -- - Kriminalität Bei ein Drittel aller Jugendlichen verlieren sich die Symptome im Verlauf der Pubertät, bei den andern zwei Drittel ist es so, dass sie an etwas leiden, was es offiziell im Diagnoseschlüssel nicht gibt. Sie werden oft mit Diagnosen wie Psychopathen oder Neuropathien versehen. Mangelnde Steuerungsfähigkeit drückt sich oft in schwierigem Verhalten oder abrupt einsetzenden Wutausbrüchen aus, bei ansonsten unauffälligen Patienten. Es gibt auch Erwachsene, die aus dieser Dreier-Gruppe herausfallen, insbesondere die, die unter Hyperaktivität leiden, dies ist häufig bei Frauen zu finden, die nie wegen Unruhe aufgefallen sind, aber wegen etwas, was sie selbst nicht definieren können, sich aus dem Kreis der anderen ausschließen. Oft besteht ein Rückzug aus der Realität und diese Menschen funktionieren dann wie Automaten. Die Kinder dieser Erkrankungsform zeichnen sich oft dadurch aus, dass sie sich den Erwartungen der Eltern anpassen, um Stress zu vermeiden. Die Chance, eine Diagnose zu stellen, besteht erst ab dem 7. Lebensjahr. Wenn Anfang der Pubertät ein Rückzug über die Maße stattfindet und er/sie sich im Familienkreis nur noch gereizt zeigt, Tagesabläufe besprochen werden, kann das ein Zeichen für ein bestehendes ADS sein; sich wie in dieser Situation der Familie und dem Tagesablauf nicht mehr anzupassen, ist in diesem Fall jedoch kein Protest, sondern oft Ausdruck einer Depression, die begleitend zur hyperkinetischen Störung auftritt. Oft werden die gewohnten Leistungen nicht mehr gebracht. Die Betroffenen berichten von einem "neben sich stehen", Neigung zu extremer Selbstbetrachtung, die oft zu negativer Einschätzung führt, ihnen bleiben nur Selbstzweifel und die Erschöpfungsreaktion. Auch ist das Selbstbewusstsein nicht stabil durch negative Erfahrungen, bei Jugendlichen kommt es häufig zu Schul- und Lehrabbrüchen, bei Erwachsenen oft Stellenwechsel oder Arbeitslosigkeit. Die Betroffenen können oft ihre eigenen Leistungen nicht richtig wahrnehmen. Teilleistungsstörungen fallen oft erst in den höheren Klassen auf, wenn Lehrer meinen, dass die Schonfrist für "Schusselfehler" vorbei sei. Oft sind sogar Schulabschlüsse gefährdet. Besteht jedoch Interesse an einem Thema, so können von diesen Personen hervorragende Leistungen erbracht werden. Bei Mädchen bleibt die Störung oft unbemerkt, es findet sich häufig sogar eine gesteigerte Leistung, um das für diese Menschen so wichtige Geliebtwerden zu erreichen. Durch Depression und Konzentrationsstörung sind viele Chancen für die Erkrankten nicht nutzbar, in einigen Fällen sind sogar Schulabschlüsse gefährdet. Die Betroffenen können nicht zwischen wichtig und unwichtig unterscheiden, das ist auch der Grund dafür, warum sie sich so oft mit Nebensächlichkeiten beschäftigen, nicht aber mit der eigentlichen Aufgabe. Dieses Problem ist bei Hyperaktiven ausgeprägter als bei Unaufmerksamen. Mit zunehmendem Alter bestimmt nur noch das Verbergen der Unordnung das Denken dieser Menschen. Sind Kinder auch betroffen, so wird das oft zu einem nicht zu bewältigenden Problem, da keine klaren Grenzen gesetzt werden. Nach der Schul- und Lehrzeit kommt es oft zur Beruhigung, ein Restsymptom ist das sich verzetteln, Termine werden oft nicht eingehalten, Wäsche stapelt sich, manchmal werden sogar Termine nicht wahrgenommen, die existenzbedrohlich sein können. Diese Menschen brauchen jemanden, der ihnen in zurückhaltender Weise den Weg weist. Wenn sich zwei Menschen treffen, die planlos sind, scheitern sie oft bei der Bewältigung des Alltäglichen. Frauen in diesen Beziehungen sind froh, wenn sich Nachwuchs ankündigt, da sie sich dann nicht mehr an Arbeitszeiten und Routineabläufe halten müssen. Oft stellt sich durch die starke Bindung zu dem Säugling eine Steigerung des Selbstwertgefühls ein. Die Belastung durch das Kind führt jedoch auf Dauer oft zu einer Depression, auch leiden sie stärker unter dem prämenstruellen Syndrom als andere. Es kann dann über das Kind Hilfe gesucht werden, doch wird die Hirnstoffwechselstörung nicht immer erkannt. Das Verhalten des Kindes wird nicht selten auf die Überforderung der Mutter zurückgeführt. Männer suchen meist erst dann Hilfe, wenn Beziehungen gescheitert sind. Frauen, bei denen keine Krankheit festgestellt wurde, berichten oft von sich, dass sie in ihrer Kindheit einen Dickkopf hatten und stark unter Ungerechtigkeiten litten. Mädchen werden oft wenig beachtet, werden oft wenig gefördert, machen oft Ausbildungen unter ihrem Niveau, da sie ja sowieso heiraten. All dieses führt zu Selbstzweifeln. Auch unter Perfektionisten sind sicher viele Betroffene, die eine extreme Ordnungsliebe pflegen; Schlafstörungen bestehen mit häufigem Erwachen, anders als bei Depressiven, bei denen dagegen das Wachliegen mit Zwang zum Grübeln typisch ist. In Gruppen kommentieren sie alles und fallen anderen häufig ins Wort, was ihnen nicht gerade Freunde schafft. Nur weil Betroffene sich auch mal zurückziehen um Ruhe zu haben, sind sie noch lange nicht geheilt. Auch finden sich unter ihnen nicht selten Haschischkonsumenten, wovon sie sich Entspannung versprechen. Nikotin und Hasch haben jedoch eine psychische Abhängigkeit mit Depressionen und Antriebslosigkeit zur Folge. Alkohol wird mehr von Männern als von Frauen zur Entspannung eingesetzt. Doch gibt es hier viele Mischtypen, gerade bei Frauen finden sich vermehrt Symptome aus den Bereichen Impulsivität / Unaufmerksamkeit ohne Hyperaktivität. Immer wieder wird dies jedoch nicht richtig erkannt. Die richtige Diagnosestellung setzt einen erfahrenen Therapeuten voraus.

Ursachen

Hyperkinetische Störungen sind neurobiologisch bedingt. Es finden sich oft in unmittelbarer Umgebung des Patienten, z. B. bei Geschwistern oder Eltern, gleiche Erkrankungen oder Beschwerden. Es werden aber auch andere hirnorganische (den Hirnstoffwechsel betreffend)a Ursachen vermutet, z. B. perinatale (Zeitraum zwischen 28. SSW und 7. Lebenstag) Hirnschädigungen oder auch toxische Einflüsse wie Alkohol-Mißbrauch in der Schwangerschaft.

Diagnosestellung

Die Diagnosestellung erfolgt bei den betroffenen Kindern, die meist schon mit der Verdachtsdiagnose ADS vorgestellt werden, durch Befragung der Eltern, Lehrer, durch Auswertung von Fragebögen, psychologische Testungen und durch Verhaltensbeobachtung.

Therapie

Die Fachleute sind sich heute einig, dass die Diagnose ADS eine Therapie mit Stimulantien erfordert (DL-Amphetamin-Saft oder Ritalin). Außerdem muß begleitend eine Psychotherapie durchgeführt werden und eine umfassende Information von Eltern und Erkrankten über ADS und die Therapie erfolgen, um eine Besserung zu erreichen. Die Bedenken gegen die Behandlung mit Stimulantien ist von Betroffenen und deren Angehörigen durchaus zu verstehen, da diese Therapie über mehrere Jahre durchgeführt werden muss und die Medikamente unter das Betäubungsmittelgesetz fallen. Jedoch weisen diese Mittel nur wenige und vertretbare Nebenwirkungen auf und führen sicher nicht zur Sucht, denn dem Körper wird ja nur eine Substanz zugeführt, die ihm fehlt. Die Therapie mit Stimulantien führt nicht nur zur Verbesserung des Verhaltens und der Schulleistungen, sondern das Gehirn wird auch wieder ausreichend mit Glucose und Sauerstoff versorgt. Außerdem lässt der Hang, sich an Diskussionen festzubeißen nach und die Erkrankten erkennen, dass auch die "Normalen" Fehler haben. Da bei Erwachsenen der Hirnstoffwechsel viel komplexer ist als bei Kindern, ist hier die medikamentöse Behandlung sehr viel schwieriger.

Die Therapie nach Döpfner:

Die Therapie nach Döpfner umfasst folgendes:
Phase I.
1. Aufklärung der Angehörigen über Erkrankung, Verlauf und Methoden der Verhaltenssteuerung.
2. Aufklärung der Betroffenen über seine Auffälligkeiten und Anleitung zur Selbstbeobachtung. 3. Beratung des Arbeitgebers.
Phase II:
1. Familientherapie, falls Störungen in der Familie vorhanden sind.
2. Einzel- / Gruppentherapie Verminderung von geringem Selbstwertgefühl.
3. Soziales Kompetenztraining.
4. Elterntraining, Grenzsetzung und Verhaltensmodifikationsprogramm.

Naturheilkunde

1. Akupunktur vor allem im Kindesalter. Akupunktur hat sich gut bewährt für Kinder und Erwachsene.
2. Phytotherapie Hier werden bestimmte Mittel aus Pflanzen den Kindern und Erwachsenen gegeben.
3. Homöopathie Für Erwachsenen und Kinder eine sehr effektive Methode.
4. Autogenes Training Auch andere Entspannungsverfahren wie progressive Muskelentspannung nach Jacobson sind zu befürworten.

 

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