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Wechseljahre

 

Frauen und die Wechseljahre (Klimakterium)

In Deutschland leben ca. 10 Millionen Frauen, die sich in dieser Lebensphase befinden, von denen haben ca. 60 - 80 % Wechseljahrbeschwerden. Ca. 5 % von diesen sind sogar vorübergehend arbeitsunfähig. 65% haben heftige bis mittelstarke Beschwerden. Hormontherapie galt bisher als Therapie der ersten Wahl. Wegen der unerwünschten Nebenwirkungen der Hormontherapie, verlangen immer mehr Frauen nach natürlichen Alternativen. Die Hinweise mehren sich, und weil bei langfristiger Anwendung von Östrogenen mit einem erhöhten Brust- bzw. Gebärmutterkrebsrisiko zu rechnen ist, wird die Nachfrage nach alternativen Behandlungsmöglichkeiten immer dringlicher. So ist die Mehrheit der Frauen offen für die alternative Medizin, das geht aus einer repräsentativen Umfrage hervor, die das Hamburger GEWIS Institut im Auftrag der Zeitschrift (Für Sie) durchgeführt hat. Befragt wurden 1045 Frauen zwischen 16 und 60 Jahren, Mehrfachnennungen waren möglich. 55% der gefragten Frauen meinten, jede Medizin sollte den ganzen Menschen im Blick haben und einen ganzheitlichen Ansatz verfolgen. Fast jede Dritte (31%) war der Meinung, dass westliche Mediziner nicht die einzigen seien, die über ernst zu nehmende Therapien verfügen. Vor allem die chinesischen Heilmethoden genießen hierzulande ein hohes Ansehen. 28% der Frauen verwendeten Kräuter, Tees, Schwitzkuren oder Wadenwickel. Jede 5 Befragte (22%) hat sich mindestens 1 x mit Akupunktur behandeln lassen und hat damit positive Erfahrungen gemacht.

Symptome

Die Zeit der hormonellen Umstellung im Rahmen des Überganges von der fruchtbaren Lebensphase zum Ausbleiben der monatlichen Menstruation erleben Frauen sehr unterschiedlich. Für die einen verläuft das Klimakterium (Wechseljahrezeit) relativ symptomfrei und ohne größere körperliche oder psychische Beschwerden. Ca. 70 % der Betroffenen leiden dagegen zum Teil erheblich unter verschiedensten körperlichen und psychischen Symptomen. So leiden die Betroffenen unter verschiedenen Beschwerden wie:
1. Hitzewallungen
2. Schweißausbrüchen
3. Schwindel
4. Herzklopfen
5. Kopfschmerzen
6. Nervosität
7. depressive Verstimmungen
8. Konzentrationsstörungen
9. Schlafstörungen Manche

Frauen klagen über lange, starke oder unregelmäßige Regelblutungen, im weiteren Verlauf auch Trockenheit und zunehmende Empfindlichkeit der Vaginalschleimhäute und der Harnschleimhäute. Die Haut verliert an Elastizität und wird faltig, die Haare werden dünner und verlieren an Glanz und Dichte.

Ursachen

Als wesentliche Ursache für die genannten Wechseljahrbeschwerden gelten die hormonellen Veränderungen kurz vor Ausbleiben der monatlichen Regelblutung. Durch Versagen der Eierstöcke kommt es zu einem rapiden Abfall der Östrogenproduktion (Frauenhormon).Gleichzeitig steigt in der Hirnanhangdrüsen (Hypophyse) das sogenannte FSH (Follikel stimulierendes Hormon) und des LH (luteinisierendes Hormon) um ein vielfaches der Ausgangswerte an. Durch diese Messverhältnisse kommt es inzwischen zu Überaktivierung der psychovegetativen Funktionen wie Hitzewallungen, Schweißausbrüche, Schwindel, Kopfschmerzen, Herzklopfen. Das hormonelle Ungleichgewicht wird noch durch psychische und soziale Stressfaktoren verstärkt. Dazu zählen Veränderungen des Selbstbildes wie der endgültige Abschied von der Fruchtbarkeit und dem gesellschaftlichen Ideal der jüngeren, schönen, schlanken Frauen, sowie der Veränderung ihrer Rolle in der Familie, wenn etwa die erwachsenen Kinder ausziehen, wenn Eltern pflegebedürftiger werden oder die Beziehung zum Partner in eine schwierige Phase gerät. Nicht zu vergessen: im beruflichen Leben fühlen sich die Frauen zunehmenden Belastungen ausgesetzt, entweder weil der Wiedereinstieg nach jahrelanger Familienpause schwer fällt oder weil sie sich nicht ohne weiteres gegen die Konkurrenz jüngerer Kollegen behaupten können. Zur Messung des Schweregrades der klimakterischen Symptome (Wechseljahrbeschwerden) gibt es verschiedene Bewertungsskalen. Häufig jedoch wird der sogenannte Kupperman-Index angewandt, da er sowohl körperliche wie auch psychische Symptome berücksichtigt.

Menopause-Rating-Skala (MRS II)

Schweregrade: keine Beschwerden, leichte Beschwerden, mittelere Beschwerden, starke Beschwerden und  sehr starke Beschwerden

für folgende Beschwerden:

Hitzewallungen, Schwitzen, Schweißausbrüche

Herzbeschwerden (Herzrasen, Herzklopfen, Herzstolpern, Herzbeklemmungen)

Schlafstörungen (Einschlafstörungen, Durchschlafstörungen, zu früh aufwachen)

Depressive Verstimmung (Traurigkeit, Weinerlichkeit, Antriebslosigkeit, Stimmungsschwankungen, Mutlosigkeit)

Reizbarkeit (Aggressivität, innere Anspannung, Nervosität)

Ängstlichkeit (innere Unruhe)

Körperliche und geistige Erschöpfung (allgemeine Leistungsminderung, Vergesslichkeit, Konzentrationsschwierigkeit, Gedächtnisstörung)

Sexuale Probleme (Veränderungen des sexuellen Verlangens, Bestätigung und Befriedigung)

Harnwegsbeschwerden (häufiger Harndrang, unwillkürlicher Harnabgang, Beschwerden beim Wasserlassen)

Trockenheit der Scheide (Beschwerden beim Geschlechtsverkehr, Trockenheitsgefühl oder Brennen der Scheide)

Gelenk- und Muskelbeschwerden (Rheumaähnliche Beschwerden, Schmerzen im Bereich der Gelenke)

 

Nicht alle oben aufgeführten Wechseljahrbeschwerden sind eindeutig von dem Hormonhaushalt abhängig. Ein klarer Zusammenhang zeigt sich vor allem bei den Gefäß- und Schleimhautsymptomen. Ziel einer Therapie sollte es daher sein, diese sehr unterschiedlichen Beschwerden zu lindern.

Therapiemöglichkeiten

1- Regulierende Maßnahmen:

zur Stabilisierung der physiologischen Umstellungsprozesse durch eine ausgewogene, vollwertige Ernährung, Bewegung und stressreduzierende Maßnahmen. Auch diese Beschwerden können durch positives Verhalten beeinflusst werden. Eine psychotherapeutische Begleitung bietet sich zur seelischen Stabilisierung bei starken psychosozialen Belastungsfaktoren an.

2- Medikamentöse Therapie:

Bei der medikamentösen Therapie galt bei Wechseljahrbeschwerden in der Regel die systemische Hormonersatztherapie mit dem Ziel, den rasch verlaufenden Prozess der Hormonumstellung zu verlangsamen, ggf. in Kombination mit einem Antidepressivum als Mittel der Wahl. Wegen der möglichen Nebenwirkungen wird die Hormontherapie nicht von jeder Patientin akzeptiert.

3- Die Pflanzentherapie (Phytotherapie):

Die Pflanzentherapie (Phytotherapie) bietet hier eine bewährte Alternative. Vor allem bei leichteren bis mittelschweren Depressionen haben pflanzliche Präparate wie Johanneskraut ihre Überlegenheit bei besserer Verträglichkeit bei gleicher Wirksamkeit ausreichend unter Beweis gestellt. Uneinig sind die Experten sowohl über die Frage wie weit das Risiko für Brust- und Gebärmutterkrebs durch eine langfristige Hormonersatztherapie entsteht und auch über den tatsächlichen Nutzen des Hormonersatzes für die Herzgesundheit und für die Osteoporoseprophylaxe. Was das erhöhte Krebsrisiko betrifft, lieferten in Deutschland Hochrechnungen des Bremer Statistik Institutes, denen zufolge mehr als 8000 Brustkrebse pro Jahr in Deutschland auf die Hormonersatztherapie zurückzuführen seien, und die amerikanische Nurses Health studie, in die Daten von mehreren zehn tausend amerikanischen Krankenschwestern eingingen, Anlass zur Sorge. Unter den Teilnehmerinnen dieser Studie, die Hormone einnahmen, war das Brustkrebsrisiko im Vergleich zu den Frauen, die auf Hormonersatz verzichteten um 40 % erhöht, was in absoluten Zahlen ein Plus von 18 Brustkrebsfällen von 1000 Frauen entspricht. Hier in der Bundesrepublik Deutschland vertritt der Berufsverband der Frauenärzte immer noch die Überzeugung, der Nutzen der Hormonersatztherapie überwiege deren Risiken, und stellten einem in dieser Studie besonders günstig Minus von 60 Herzinfarkten Berechnungen aus anderen Untersuchungen gegenüber, wonach nur mit 6 zusätzlichen Brustkrebsfällen pro Tausend Frauen zu rechnen sei. Kritisch meint dazu Rolf Kreienberg, Präsident der deutschen Krebsgesellschaft, man kann Zahlen rauf und runter rechnen, das Problem muss auf jeden Fall ernst genommen werden. (Wenn Hormone länger als 5 Jahre eingenommen werden, gehört Brustkrebs nun mal zu den möglichen Nebenwirkungen, an dieser Tatsache kommt niemand vorbei.) Ob dieses Risiko letztlich in einem vernünftigen Verhältnis zum Nutzen steht, müssen Ärzte und Patienten nach individuellem Ermessen abwägen. Sie sollten dabei bedenken, dass sich auch der nachweisliche Effekt einer Hormonersatztherapie auf das Knochenbruchrisiko bei Osteoporose (Verminderung des Kalkgehaltes in den Knochen) erst nach längerer Einnahme der Medikamente bemerkbar macht und dass sich die Knochen- dichte auch durch Bewegung, Calcium und Vitamin D verbessern lässt. Als pflanzliche Alternative zur Hormonersatztherapie bieten sich Behandlungen mit Extrakten aus den Wurzelstock von Cimicifuga racemosa, der Traubensilberkerze, an. Die ursprünglich vor allem in Nordamerika und Kanada vor allem heimische Pflanze hat unter dem Namen Frauenwurzel eine lange Tradition in der indischen Heilkunde. Sie galt dort als wichtigstes Kraut zur Behandlung von verschiedenen Frauenbeschwerden, darunter auch Wechseljahrbeschwerden und Schmerzen bei der Geburt, aber auch zur Behandlung von Gelenkschmerzen, Rheumatismus, Muskel- und Nervenschmerz. Auch diese Pflanze wird unter anderem als Heilmittel gegen Bluthochdruck benutzt. Die Wirkung dieser Pflanze wurde mittlerweile durch mehrere Anwendungsbeobachtungen und klinische Studien bestätigt. Eine multizentrische Anwendungsbeobachtung (Stolze H. 1982) an 629 Patientinnen, die 6 - 8 Wochen lang mit einem Cimicifuga-Präparat behandelt wurden, belegt eine Besserung der Wechseljahrbeschwerden. So zeigten 75% der Frauen eine Besserung bereits vier Wochen nach Beginn der Therapie. 80% gaben am Ende der Behandlung an, dass sich ihre Symptome gebessert haben oder nicht mehr vorhanden waren. In einer doppeltblinden, placebokontrollierten, randomisierten Studie an 80 Patienten bestätigt sich die Wirksamkeit von Cimicifuga auch im Vergleich zum Placebo (Medikament ohne Wirkstoff). Erneut zeichnet sich auch in dieser Studie eine deutliche klinische Besserung nach vierwöchiger Einnahme ab. Bei Behandlungs-Ende nach 12 Wochen lag der mittlere Kupperman Index unter 15 und damit im nicht behandlungsbedürftigen Bereich. Es gibt auch andere Studien, die die Therapie dieses pflanzlichen Mittels auch bestätigt. Alle diese Studien bestätigen eine außerordentlich gute Verträglichkeit von Cimicifuga. Etwa nur 5% - 7% der Patientinnen berichteten über leichte meist Magen-Darm-Beschwerden bei Behandlungsbeginn. Der Wirkungsmechanismus dieses pflanzlichen Mittels wird schrittweise aufgeklärt. So beruht die Wirkung der Cimicifuga auf einem pflanzlichen Östrogen und haben neue Hinweise auf Östrogene neuromodulatorische Wirkmechanismen ergeben. Cimicifuga racemosa führte bei Mäusen zu einem Abfall der Körpertemperatur und einer Verlängerung der Schlafzeit und zu einer Reduktion der Prolactinausschüttung von Hypophysenzellen (Hirnanhangdrüse). Vermutlich wirkt Cimicifuga beim Menschen auch ähnlich und kann die LH-Ausschüttung (luteinisierendes Hormon) hemmen. Wichtig für die Frage einer Erhöhung des Krebsrisikos durch einen östrogen-ähnliche Wirkmechanismus sind die Ergebnisse aus neueren Studien von Freudenstein et. al. (1999/2000). Sie liefern beruhigende Daten, die dafür sprechen, dass der Extrakt aus Traubensilberkerze nicht dieselben unerwünschten Nebenwirkungen wie richtiges Östrogen hat. Wichtig auch noch zu erwähnen, ähnlich wie moderne selektive Östrogen-Rezeptormodulatoren (SERM) stimuliert Cimicifuga nur die Östrogenrezeptoren in Knochen, Arterien und im Zentralen Nervensystem, nicht jedoch in der Gebärmutter. Gleiches gilt auch für das Brustkrebsrisiko. So hemmt Cimicifuga racemosa sogar über Östrogen-Mechanismen MCF 7-Zelle und dadurch wird die Entstehung von Brustkrebs nicht gefördert. Die Gabe von Cimicifuga racemosa bewährt sich auch bei Frauen, die auf eine Hormonersatztherapie nicht ausreichend ansprechen. Ebenfalls bewährt hat sich die Kombination von Cimicifuga und Johanneskraut-Präparaten bei überwiegend psychovegetativer Symptomatik der Wechseljahrebeschwerden. Agnus Castus (Mönchpfeffer): Die therapeutische Wirkung von Agnus Castus (Mönchspfeffer), tägliche Dosis 30 - 40 mg der Droge, ist auch bei Ausbleiben der monatlichen Periode, Zyklusstörungen, Unfruchtbarkeit durch zahlreiche Studien gesichert. Die Verträglichkeit von Agnus Castus ist sehr gut. Nebenwirkungen in Form von Magenbeschwerden sind äußerst selten. Da die Wirkung des Mönchspfeffers auf einer Wiederherstellung des hormonellen Gleichgewichtes beruht, ist meist keine Dauertherapie, sondern nur eine drei bis sechs Monate-Behandlung erforderlich. Die Wirkung von Agnus Castus tritt nach durchschnittlich sechs Wochen ein. Neben der o. g. Phytotherapie (pflanzliche Mittel Therapie) sind noch weitere Therapie empfehlenswert.

4- Akupunktur:

Sie hat sich sehr gut bewährt, vor allem bei Depressionen, nächtlichem Schwitzen, Unruhe, Herzklopfen und Menstruationsstörungen. Hier werden bestimmte Akupunkturpunkte genadelt.

5- Homöopathie:

Hier wird auch die gesamte Symptomatik, wie seelische und körperliche Beschwerden, wie Alltagsprobleme sowie Essen, Trinken, Träume usw. berücksichtigt.

6- Ausleitende Verfahren:

wie Schröpfen können auch eingesetzt werden.

7- Physikalische Therapie:

wie Wechselduschen können die Symptome von Hitzewallungen, Kopfschmerzen lindern.

8- Verschiedene Entspannungsmethoden:

wie Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung, Qui Gong und andere Verfahren können sehr hilfreich sein.

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